Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich die Anzahl der in Österreich lebenden Muslime verdoppelt.  Bis 2030 sollen Muslime rund 10 Prozent der österreichischen Bevölkerung darstellen, bis zur Mitte des Jahrhunderts 21 Prozent. Flüchtlingsströme seit 2016 nicht einberechnet. Im Jahr 1991 waren es 2 Prozent, 1971 nur 0,3 Prozent. Trotz dieser (nur geschätzten) Zahlen wird die Islamisierung vom Establishment noch immer beharrlich geleugnet.

Ganz anders sieht das jedenfalls die Bevölkerung, wie aktuelle Umfragen zeigen, den 65 Prozent sind für einen Einwanderungsstopp aus islamischen Ländern.

Die Bevölkerung hat zwei Dinge richtig erkannt:

    1. Das Wachstum des Islam beruht auf Zuwanderung.
    2. Die Islamisierung stellt eine Bedrohung dar.

Während das 18-Prozent-Establishment bemüht ist, die 65 Prozent für dumm und paranoid zu erklären, möchte ich zeigen, warum sie Recht haben.

1. Europäisches Selbstverständnis

Die europäische Identität entwickelte sich aus einem antiken Erbe, dem christlichen Mittelalter und der neuzeitlichen Aufklärung und mündete schließlich in der europäischen Moderne. Selbst Atheisten müssen zugeben, dass die Grundstruktur unseres Denkens bereits im christlichen Mittelalter angelegt war. Man kann sogar soweit gehen, die Moderne als den Versuch zu bezeichnen, mit dem Tod Gottes umzugehen.

Die universalistische Idee einer Gleichheit des Menschen ist blind für Unterschiede, die mehr betreffen als nur die Oberfläche. Sie überträgt das typisch europäische Konglomerat an Vorstellungen blind auf andere Kulturen: Individualismus, Mechanistisches Weltbild, Rationalismus, Fortschrittsglaube, uvm. Im Versuch, den Eurozentrismus zu überwinden, wurde europäisches Denken zum menschlichen Denken erklärt. Wo eine grundsätzliche Abweichung aufflimmert, wird sie defekt oder rückständig gebrandmarkt.

Aus diesem Blickwinkel wird auch der Islam betrachtet: Dass dieser völlig fremden Lebensart entspringt, wird schlichtweg ignoriert. Man behandelt Muslime wie Christen und sogar Atheisten – nur halt mit einem anderen Büchlein in der Hand. Die echte Andersartigkeit wird ausgeblendet – und damit nicht zuletzt auch dem Islam Gewalt angetan. Aus diesem Grund scheitert auch die Idee des Euroislam: Ein europäisierter Islam wäre so grundsätzlich anders, dass er etwas vollkommen Neues wäre, genauso wie ein islamisiertes Europa nichts mehr mit dem bestehenden Selbstverständnis Europas zu tun hätte. Die Islamisierung würde ein Ende der europäischen Identität bedeuten.

2. Ethnische Fragmentierung

Auch zu einer selbstzerstörerischen Verschmelzung von europäischer und islamischer Identität wird es nicht kommen. Denn die Völker außerhalb Europas wissen ganz genau: Man schmeißt seine Kultur nicht auf dem Müllhaufen der Geschichte, um ein Experiment mit ungewissem Ausgang zu wagen. Selbst Bassam Tibi, der die Idee des Euroislam begründete, musste inzwischen eingestehen:

 „Es stimmt, diesen Begriff habe ich geprägt. Aber heute muss ich sagen: Ich kapituliere. Den Euro-Islam wird es nicht geben. Er war eine schöne Hoffnung, aber die Realität ist leider eine andere. Das deutsche Modell, in dem die organisierte Religion von der Institution Amtskirche getragen wird, lässt sich nicht auf den Islam übertragen. Das wird nie gelingen.“

Generell ist die Verschmelzungs-Idee (melting-pot) auch schon seit Jahrzehnten tot. Stattdessen kam es schon früh zur Erkenntnis einer „salat bowl“ – zu einer ethnokulturellen Fragmentierung und Desintegration der Gesellschaft. Diese Desintegration findet auf mehreren Ebenen statt:

  • Strukturkrise: Es kommt zu einer „Unterschichtung“: Gläubige Muslime, die an islamischen Traditionen festhalten, bilden eine neue Unterschicht. Ein krasses Gedankenexperiment: Stellen Sie sich eine Top-Managerin in Burka vor. Hinzu kommt eine „neofeudalen Absonderung“: Die autochthone Bevölkerung sondert sich von den Muslimen ab. Ein konkretes Beispiel ist die Auswahl der Schule für die eigenen Kinder.
  • Regulationskrise: Es kommt zu Wert- und Normkonflikten. Die traditionellen europäischen Werte und Traditionen werden mehr und mehr in Frage gestellt und büßen an Verbindlichkeit ein. Beispiele sind das Winterfest statt Weihnachtsfest oder das Abmontieren von Kreuzen in den Klassenzimmern bis hin zu einer islamischen Paralleljustiz.
  • Kohäsionskrise: Die ethnokulturelle Fragmentierung geht mit einem sozialen Rückzug einher. Forscher haben herausgefunden, dass in solchen ethnisch fragmentierten Gesellschaften die aktive und passive Wahlbeteiligung sinkt, weniger gespendet und mehr Ferngesehen wird. Kurz: die Menschen verlieren das Gemeinschaftsgefühl.

Diese drei Ebenen der Desintegration führen dazu, dass es nicht mehr nur um eine Verteilung materieller Ressourcen und Chancen innerhalb einer Gruppe geht, sondern ganz grundsätzliche Fragen des ethnokulturellen Selbstverständnisses und der kollektiven Identität zwischen verschiedenen Gruppen ausgefochten werden. Der Zusammenhalt in der Gesellschaft wird abgebaut und ethnische Konflikte nehmen zu.

3. Ethnische Wahl

In diesem ethnokulturellen Streit um Anerkennung und Selbstverständnis kommt beim Islam eine zusätzliche Problematik hinzu: Das Nationalstaaten-Konzept ist nämlich typisch europäisch. Wenn in österreichischen Statistiken die Menschen fein säuberlich nach dem Herkunftsstaat getrennt werden, bleibt außer acht, dass die Vorstellung von Nationalstaaten auf diese Länder meist nicht 1:1 anwendbar ist.

Für Menschen aus islamischen Kulturkreisen ist nämlich nicht entscheidend, aus welchem Nationalstaat sie kommen, sondern in erster Linie welcher Religion sie angehören. Hierfür lasse ich Michael Houellebecq sprechen:

„Die muslimische Partei – das geht natürlich weiter. Da berührt man den harten Kern. Ich habe versucht, mich in einen Muslim hineinzuversetzen, und dabei ist mir klar geworden, dass die in Wirklichkeit in einer völlig schizophrenen Situation sind. Denn im Allgemeinen interessieren sich Muslime nicht allzu sehr für Wirtschaftsfragen. Die für sie entscheidenden Themen sind eher das, was ich Gesellschaftsthemen nennen würde. In jedem Fall sind sie in diesen Dingen sehr weit von der Linken entfernt, noch weiter von den Grünen. Es reicht, an die Homo-Ehe zu denken, das gilt auch für die meisten anderen Themen. Aber man wüsste auch nicht, warum Muslime rechts wählen sollten und noch weniger die Rechtsextremen, welche sie mit all ihren Kräften ablehnen.

Was soll also ein Muslim machen, der wählen will? Er ist in einer unmöglichen Situation. Er wird von niemandem vertreten. Es wäre falsch zu sagen, dass der Islam eine Religion ist, die keine politischen Konsequenzen hat, sie hat welche, der Katholizismus hat ja auch welche, selbst wenn die Katholiken sich oft eine Abfuhr geholt haben. Jedenfalls glaube ich, dass eine islamische Partei eigentlich eine zwingende Idee ist.“

Bereits jetzt gibt es das Phänomen ethnischer Wahl. Erste Ansätze gibt es bei Türken (die den europäischen Nationalismus übernommen haben). Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis aus der großen Gruppe von Muslimen eine Partei entsteht, die ganz demokratisch den Islam zu einem gesetzgebenden und damit staatsformenden Faktor machen wird.