Das Internet befindet sich seit Jahrzehnten in Phasen des ständigen Wandels und Umbruchs. Es ist aus dem öffentlichen und privaten Leben nicht mehr wegzudenken und bildet längst eine Basis funktionierender Demokratien. Nachdem die Türsteher-Funktion etablierter Medien (der „Shadowban“ der Printmedien) durch die sozialen Netzwerke erfolgreich ausgehebelt wurde, sind das Internet und seine Kontrolle zum am Stärksten umkämpften Schlachtfeld der Politik geworden. Umso wichtiger ist die Feststellung, dass sich seit ein paar Jahren zwei technische Entwicklungen abspielen, die entgegengesetzter nicht sein könnten und deren politische Auswirkungen kaum zu unterschätzen sind.

Zensur in den Sozialen Medien

Dabei erscheint die Feststellung, dass nur wenige Internet-Giganten über unser digitales Leben entscheiden, fast überflüssig. Denn es ist offensichtlich, dass sich die meisten Menschen auf den großen Plattformen wie Facebook (inkl. Instagram), Google (inkl. YouTube), Twitter und Amazon tummeln. Die Erwartungen, dass diesen Konzernen ihre Verantwortung für Meinungsfreiheit und Demokratie bewusst ist, hat sich nicht erfüllt. Im Gegenteil stehen Skandale an der Tagesordnung – und doch glauben immer noch viel zu viele Menschen, dass sie sich auf diesen Plattformen ungetrübt informieren und austauschen können.

Was das für politische Gruppen und die Demokratie bedeutet, wurde durch die letzte Zensurwelle auf Facebook mehr als deutlich. Facebook und Instagram sperrten nämlich sämtliche Seiten der Identitären Bewegung und ihr nahestehender Unternehmen und Personen. Das Lambda wurde sogar mittels Algorithmus zu einem verbotenen Symbol erklärt und wird selbst auf privaten Profilen gebannt. Die rasant wachsende Bewegung sollte damit aus dem öffentlichen Bewusstsein eliminiert werden. Gerade erst wurden die etablierten Medien entmachtet und die Menschen haben sich daran gewöhnt, auf sozialen Netzwerken selbstständig Informationen einzuholen. Und schon wird die Einschränkung der Informationsfreiheit im Namen der politischen Korrektheit an die veränderten Bedingungen angepasst.

Cloud: Zentralisierung des Internet

Doch hinter der Oberfläche spielt sich eine technische Entwicklung ab, die noch gravierender sein könnte. Es findet nämlich eine Zentralisierung der Server-Infrastruktur durch die Verwendung von Cloud-Diensten wie Amazon Web Services und Google Firebase statt. Entwickler nutzen aufgrund wachsender technischer Anforderungen die gigantische Infrastruktur der Internet-Giganten, um plattformübergreifende Apps mit großer Skalierbarkeit zu schaffen. War dieses „Cloud-Computing“ bisher eine Sache großer Unternehmen, erreicht das Phänomen inzwischen auch mittlere und kleinere Internet-Dienste auf der ganzen Welt.

Mit der Nutzung dieser Infrastruktur ist aber auch eine stärkere Abhängigkeit von den großen Konzerne verbunden. Sichtbar wird dies etwa bei technischen Ausfällen: Erst im März gab es beispielsweise einen Ausfall bei AWS und drei Stunden lang waren hunderte große Websites wie Netflix, Slack, Trello oder „Business Insider“ offline. Dabei ist die politische Komponente ungleich bedeutungsvoller: Was passiert, wenn diese großen Konzerne freiwillig oder unfreiwillig (Stichwort NetzDG) weiter in Richtung politische Korrektheit und Zensur steuern? Es könnte bedeuten, dass die Entscheidung eines der großen Konzerne viele andere Dienste dazu zwingt, die Meinungsfreiheit aufzugeben – auch wenn diese eigentlich unabhängig sind.

Blockchain: Demokratisierung des Internets

In den letzten Jahren begann aber auch eine völlig entgegengesetzte Entwicklung durch die sogenannte „Blockchain“-Technologie. Sie liefert die Basis für dezentrale Datenbanken, über die keine zentrale Instanz mehr eine Kontrolle ausüben kann. Das bekannteste Beispiel dafür ist die Cryptowährung Bitcoin, die nicht grundlos ohne Zentralbank auskommt. Eine Blockchain kann aber weit mehr, als ein Registerbuch für Cryptowährungen führen. Die Liste zukunftsweisender Einsatzmöglichkeiten von intelligenten Verträgen bis hin zur Identitätskontrolle bei Wahlen wird gerade erst entdeckt.

Wichtig für das Verständnis der Blockchain-Technologie ist, dass Transaktionen direkt zwischen den zwei Beteiligten stattfinden und sie danach nur noch vom dezentralen Netzwerk verifiziert werden. Das macht Bitcoin & Co auch so fälschungssicher: zur Manipulation müssten 51% der Datenbank-Kopien im Netzwerk manipuliert werden, was aufgrund der enormen Rechenleistung geradezu unmöglich ist. Diese Dezentralisierung führt dazu, dass die Blockchain niemanden gehört oder niemand in bestehende Datensätze sie eingreifen kann. Was einmal in die Blockchain geschrieben ist, bleibt auch in der Blockchain. Eine Zensur und Kontrolle durch Staaten oder Konzerne wird beinahe unmöglich.

Monetarisierung von Inhalten

Auch unabhängig vom politischen Kontext leiden die großen sozialen Netzwerke an einem tiefgreifenden Problem. Denn Millionen von Nutzern speisen täglich hochwertige Inhalte in die Plattformen ein und halten sie mit ihren Interaktionen am Leben. Im Gegenzug verkaufen Facebook & Co die sensiblen Informationen über ihr Nutzerverhalten an Werbeagenturen, um damit Milliarden zu verdienen. Die Schöpfer des Werts einer Plattform, also die aktiven Nutzer, gehen dabei leer aus.

Auch hier kann die Blockchain-Technologie aushelfen. Da eine Blockchain keiner zentralen Instanz gehört, gibt es auch keinen monopolartigen Eigentümer, auf den die Nutzerdaten übergehen. Der Nutzer bleibt stattdessen Herr über seine Daten. Das hat natürlich auch zur Folge, dass die durch die Plattform erwirtschafteten Gelder nicht an eine zentrale Instanz gehen, sondern an die Nutzer ausbezahlt werden können.  Eine erste Generation von Plattformen experimentiert bereits erfolgreich mit der Blockchain-Technologie und verknüpft soziales Netzwerk und Cryptowährung miteinander. Die Idee: Die Plattform gehört den Nutzern, die für den Mehrwert, den sie ins soziale Netzwerk einbringen, auch entlohnt werden sollen.

Revolution der Sozialen Netzwerke

Die Blockchain-Technologie steht noch am Anfang ihrer Entwicklung und viele Potentiale werden gerade erst entdeckt, doch bereits jetzt ist klar: Die Blockchain-Technologie wird das Internet revolutionieren. Allen voran bei den sozialen Netzwerken wird kein Stein auf dem anderen bleiben. Nicht umsonst beschäftigt sich etwa auch Facebook derzeit intensiv mit der Blockchain-Technologie.

Steht vor uns also eine Demokratisierung der sozialen Netzwerke oder wird die globale Akkumulation der Macht in den Händen weniger Internet-Giganten weitergehen? Noch lässt sich das natürlich nicht sagen, doch erste Projekte zeugen bereits vom Potential der neuen Technologien. Viele davon wie SocialX und Ono befinden sich noch in der Entwicklungsphase, andere Plattformen wie Steemit und Minds sind schon weiter fortgeschritten – doch sie alle lassen die Zukunft der Sozialen Medien erahnen.