In meinem letzten Beitrag bin ich auf die aktuellen Tendenzen zur Zentralisierung und Dezentralisierung des Internets eingegangen und habe bereits angeschnitten, welche Potentiale in der Blockchain-Technologie stecken. Insbesondere für die sozialen Netzwerke wird die Technologie grundlegende Veränderungen bringen. In diesem Beitrag möchte ich aufzeigen, was eine neue Generation sozialer Netzwerke können wird.

Dabei sind die folgenden Punkte kein Hirngespinst, sondern wurden schon von erfolgreichen Plattformen umgesetzt oder befinden sich bereits in der Entwicklung und werden gegen Ende des Jahres erscheinen.

Dezentral

Das Zauberwort dabei heißt „dezentral“ und wird den Sprung vom Web 2.0 zum Web 3.0 bedeuten. Die sozialen Netzwerke der nächsten Generation werden nämlich auf dem „Peer-to-Peer“-Prinzip beruhen. Das sind Netzwerke, in denen alle Beteiligten gleichberechtigt und ohne zentrale Instanz miteinander kommunizieren. Die bekannteste Technik ist BitTorrent, das vor allem zum Verbreiten großer Dateien verwendet wird, und WebTorrent, das zum Streamen direkt im Browser dient. Die Streaming-Plattform Bitchute basiert beispielsweise auf dieser Technologie. Das Prinzip: Wer sich ein Video ansieht, stellt es gleichzeitig auch anderen Nutzern zur Verfügung.

Die Zukunft dürfte allerdings dem InterPlanetary File System (IPFS) gehören, das ebenfalls zum Verbreiten von Inhalten dient, aber mit einer Blockchain verknüpft, effizienter und schneller ist (Hier gut erklärt von SemperVideo). FileNation arbeitet bspw. mit IPFS. Ziel all dieser Technologien ist es, Ausfälle und Zensur unmöglich zu machen. Es gibt bereits eine ganze Reihe von sogenannten DApps (Dezentralisierte App) von Messanger-Diensten über DataStorage, die – beruhend auf diesen Technologien – dezentral funktionieren. Für die nötige Sicherheit sorgt dabei die Blockchain-Technologie. IPFS könnte sogar so erfolgreich werden, dass es HTTP ablösen könnte.

Keine Zensur

Der für politische Aktivisten entscheidende Vorteil dieser dezentralen Technologien ist die Zensurfreiheit. Diese beruht drauf, dass es erstens keine zentrale Kontrollinstanz gibt, die über die Inhalte bestimmen kann. Kein Konzern und kein Staat haben beispielsweise mehr die Möglichkeit, politisch unerwünschte Inhalte zu zensieren. Zweitens, weil niemand die Regeln einer Blockchain einfach so verändern kann. Gerade in Zeiten, in denen Facebook, Twitter & Co immer drastischere Zensurmaßnahmen ergreifen, eine erfreuliche Nachricht für Freunde der Meinungsfreiheit.

Die politische Bedeutung ist nicht zu unterschätzen, denn die sozialen Netzwerke sind immerhin die neuen Marktplätze, auf denen Politik gemacht und Wahlen entscheiden werden. Die Dezentralisierung ist ein Befreiungsschlag und kam etwa beim verbotenen katalanischen Unabhängigkeitsreferendum zum Einsatz. Auch ist damit die Zeit zu Ende, in der Konzerne, die sich eigentlich gegen Zensur sträuben, von der Politik unter Druck gesetzt werden können. Man denke an das deutsche Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG), das widerspenstigen Unternehmen mit absurd hohen Strafen droht.

Kein Datenklau

Durch die neue Technik werden auch die Nutzerdaten nicht mehr vom Nutzer an irgendeinen Konzern wandern, der sie in weiterer Folge zu barem Geld macht. Denken wir an den Cambrige Analytica-Skandal von Facebook. Dabei dürfte dies nur die Spitze des Eisbergs gewesen sein: Der Cambridge-Analytica-Whistleblower Christopher Wylie ist nämlich sicher, dass über Facebook gezielt Wahlmanipulation betrieben wurde. Wylie behauptet, es sei „nahezu sicher, dass systematischer Betrug und Wählertäuschung geschah“.

Mit den neuen, dezentralen Technologien werden die Nutzer die komplette Kontrolle über ihre Daten behalten. Die Daten werden verschlüsselt in einer dezentralen Datenbank liegen und so vom Zugriff unbefugter geschützt sein. Für jeden einzelnen Fall werden die Daten einzeln freigegeben werden müssen. Insbesondere wird das Nutzungsverhalten in den sozialen Medien nicht länger fertig zur Auswertung in der Datenbank eines großen Unternehmens liegen. Die Plattform Minds arbeitet beispielsweise gerade daran, die Nutzerdaten völlig zu dezentralisieren.

Monetarisierung

Nun mache ich mir natürlich keine falschen Hoffnungen, dass die riesige Anzahl von Nutzern aufgrund von idealistischen Überlegungen die Plattformen wechseln wird. Wäre dies der Fall, wäre es längst geschehen. Hier kommen jedoch Dank der Cryptowährungen neue Möglichkeiten ins Spiel. Die sozialen Netzwerke werden nämlich künftig mit solchen Cryptowährungen gekoppelt sein und neue Währungseinheiten an die Nutzer ausschütten – etwa nach deren Leistung im sozialen Netzwerk.

Das wird vor allem für einflussreiche Blogger und Vlogger interessant sein: Bisher erhielten sie nichts oder ein paar Peanuts für ihre aufwendig produzierten Bilder, Videos und Texte. Profitiert haben einzig die großen Konzerne. Künftig werden aktive Nutzer für Inhalte und dafür, dass sie die Netzwerke mit ihrem Engagement am Leben erhalten, in einer Cryptowährung bezahlt werden. Diese können sie dann in weiterer Folge gegen eine klassische Währung handeln. Das wird eine Revolution der Unterhaltungsindustrie bedeuten!

Ausblick

Gegenwärtig gibt es einen Wettlauf vieler Projekte, wer die erste Durchschlagende dieser Plattformen veröffentlichen wird. Wahrscheinlich werden viele davon im dritten oder vierten Quartal 2018 erscheinen. Egal, welche Plattform sich durchsetzen wird, diese vier Punkte werden zum Selbstverständnis gehören. Eine dieser Plattformen ist SocialX, das übrigens von einem Österreicher geleitet wird. Egal, ob SocialX die eigenen Ankündigungen erfüllen wird oder nicht – deren Werbe-Video fasst perfekt die Entwicklungen zusammen, die auf uns zukommen: