Die Muslimbruderschaft strebt eine Islamisierung „von oben“ durch Gründung und Unterwanderung von politischen Parteien an. Für Salafisten hingegen spielt der Nationalstaat und sein politisches System nur eine untergeordnete Rolle, weil sie sich prinzipiell auf die globale Gemeinschaft der Muslime – die Umma – beziehen. Sie streben durch kulturelle und aktivistische Tätigkeiten eine Islamisierung „von unten“ an. Eine dritte islamistische Strömung hat den friedlichen Weg verlassen hat und will ihre Ziele mittels Gewalt durchsetzen: Die Dschihadisten. Die zentrale Entwicklungslinie des Dschihadismus wird in diesem Artikel nachgezeichnet.

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Es ist wichtig zu verstehen, dass alle drei Gruppen dasselbe islamistische Ziel verfolgen: die Ausrichtung des gesamten privaten und öffentlichen Lebens nach den Regeln der Scharia und das endgültige Ziel der Wiedererrichtung des Kalifats nach dem Vorbild der „Altvorderen“. Sie unterscheiden sich allein durch die Methode, dieses Ziel zu erreichen.

Ideologische Wurzeln

Will man den Dschihadismus verstehen, muss man in die 50er und 60er des letzten Jahrhunderts zurückblicken. Nachdem am 26. Oktober 1954 ein Attentat der Muslimbruderschaft auf den ägyptischen Staatspräsidenten Nasser scheiterte (das noch nichts mit Dschihadismus zu tun hatte), reagierte dieser mit brutaler Repression. Nasser ließ viele Anhänger der Muslimbruderschaft verhaften – darunter auch ihren Vordenker Sayyid Qutb, der das Gefängnis nur noch einmal für kurze Zeit verlassen sollte.

Diese Haft war verhängnisvoll für die weitere Geschichte des Islams, denn unter Folter entwickelte Qutb eine neue, militante Ideologie des Islamismus. Seine im Gefängnis verfasste Kampfschrift „Zeichen auf dem Weg“ ist die ideologische Grundlage aller dschihadistischen Bewegungen. Qutb glaubte nicht länger daran, dass ein islamischer Staat durch Unterwanderung (Muslimbrüder) und Umerziehung (Salafisten) realisiert werden könne. Gedanken, die aus der Perspektive seiner verzweifelten Lage leicht nachvollziehbar sind.

Sayyid Qutb argumentierte stattdessen, dass die Welt (auch die islamische!) wieder in den Zustand der „Unwissenheit und Ignoranz“ zurückgefallen sei, die vor dem Wirken Mohameds geherrscht habe. Deshalb hätte jeder rechtgläubige Muslim die Pflicht, diese Unrechtsregierungen zu stürzen, um das Kalifat neu zu errichten. Qutbs Wirken galt als so gefährlich, dass er von Nasser in einem Schauprozess zum Tode verurteilt und 1966 schließlich hingerichtet wurde. Doch das konnte seine Ideen nicht aufhalten: 13 Jahre später, im Jahr 1979, betrat der Dschihadismus erstmals die Bühne der Weltöffentlichkeit.

Saudi-Arabien: Der erste Anschlag

Er tat es nicht in einem westlichen Land, sondern in Saudi-Arabien. Die saudische Königsfamilie hatte nach dem Zweiten Weltkrieg US-Konzernen das Recht gewährt, das arabische Erdöl zu exportieren. Dadurch wurden die Saudis nicht nur sagenhaft reich, sondern es kam auch zu gesellschaftlichen Liberalisierungen. Gleichzeitig nahm Saudi-Arabien Flüchtlinge aus den arabischen Staaten auf, die unter den sozialistischen Regierungen verfolgt wurden. Auch der Beduine Dschuhaiman al-Uteibi kam nach Saudi-Arabien, der in Riad zum Anführer einer islamistischen Studentengruppe aufstieg. Die jungen Männer kritisieren lautstark den neuen Materialismus und die Verwestlichung der saudischen Gesellschaft.

Nach einer kurzen Haft wurde die Gruppe immer radikaler und predigte die Ankunft des Mahdi – dem endzeitlichen Erlöser. Angeblich hatten mehrere von ihnen den Traum, dass ihr Mitstreiter al-Qahtani dieser Mahdi sei. Nach der Prophezeiung sollte dieser am ersten Tag eines neuen Jahrhunderts erscheinen und so es der Zufall wollte, stand mit dem der 20. November 1979  – der Neujahrstag des islamischen Jahres 1400 – ein solcher Tag bevor. An diesem Tag schmuggelte die bis zu 500 Mann starke Gruppe Waffen in das religiöse Zentrum des Islam: in die Große Moschee in Mekka, wo sich die Kaaba befindet. Als sich am Neujahrstag 50.000 Gläubige dort versammelten, um zu beten, krachten Schüsse und al-Uteibi verkündet seine Forderung: Die saudische Monarchie müsse einem echten Gottesstaat weichen. 

Nachdem die Geiseln dem angeblichen Mahdi den Treueeid leisteten, wurden sie entlassen, um die Botschaft von der Ankunft des Erlösers zu verbreiten. Währenddessen ließ sich der saudische Monarch die Rückeroberung der Großen Moschee von den Gelehrten absegnen: Im Gegenzug musste er das folgenreiche Versprechen geben, Milliarden in die globale Missionierungtstätigkeit des Wahhabismus-Salafismus zu investieren. Nach zwei Wochen und hunderten von Toten war der Aufstand niedergeschlagen – al-Uteibi und 62 Mitstreiter wurden wegen des Anschlags öffentlich enthauptet, genauso wie viele weitere im im Stillen. 2006 sagte ein saudischer Offizier: 

„Alle Terroristen, die wir heute haben, gehen auf Dschuhaiman zurück.“

Iran: Die islamische Revolution

Schon ein paar Monate zuvor fand im Iran ein anderes wichtiges Ereignis statt. Nachdem der verhasste Schah ins Ausland geflohen war, stieg am 01. Februar 1979 ein alter Mann aus einem Flugzeug am Teheraner Flughafen. Der Name des beliebten Geistlichen, der sich vierzehn Jahre im Exil befand: Ajatollah Ruhollah Chomeini. Die Eliten des Landes glaubten, der Ajatollah würde nun nach Qom, dem Zentrum der schiitischen Gelehrsamkeit, fahren und dort lehren. Als er ins Fahrzeug stieg, behinderten Massen von Anhängern die Weiterfahrt. Chomeini musste in einen Helikopter umsteigen, um überhaupt weiterzukommen. Zuerst flog er zum Friedhof, um den Toten des Aufstands gegen den Schah zu Gedenken. Dann verkündete der Mann im schwarzen Turban, der ihn als Nachfahre Mohammeds zu erkennen gibt, auch die folgenschweren Worte:

„Ich schlage dieser Regierung ins Gesicht. Ich bestimme, wer regiert. Mit der Unterstützung des Volkes bestimme ich, wer die Regierung bildet. Mit der Zustimmung des Volkes bestimme ich!“

Er setzte einen islamistischen Premierminister ein und beauftragte ihn mit der Gründung einer Islamischen Republik. Hunderte Anhänger des alten Regimes wurden in den folgenden Tagen hingerichtet, jeder Widerstand zerschlagen. Am 30. März 1979 stimmten fast 100 Prozent der Bevölkerung für die Gründung einer islamischen Republik. Im Dezember 1979 wurde die neue Verfassung per Referendum endgültig bestätigt und die Islamisierung des Landes begann.

Dabei war der neue Staat kein „zurück ins Mittelalter“, wie oft fälschlich attestiert wird, sondern glich eher einem modernen Staat nach dem Vorbild von Lenin oder Mao. Ideologisch speiste er sich vor allem aus dem Antikolonialismus, weshalb Chomeini auch große Beliebtheit bei vielen westlichen Linken genoss. Die Gründung der schiitischen Islamischen Republik Iran wurde auch von sunnitischen Islamisten in aller Welt freudig aufgenommen, denn sie bewies: Die Gründung eines islamischen Staates war möglich.

Afghanistan: Die Schule des Dschihadismus

Um das Jahr 1979 endgültig zum Schicksalsjahr zu machen, spielte sich auch in Afghanistan im selben Jahr ein Ereignis ab, das für die weitere Entwicklung des Dschihadismus von entscheidender Bedeutung war: Am 25. Dezember 1979 marschierte die Rote Armee in Afghanistan ein. Doch die Afghanen formierten einen Widerstand gegen den kommunistischen Besatzer – unter der Flagge des Islam. Auch die vom Anschlag in Mekka inspirierten Islamisten strömten nun nach Afghanistan, um dort ihren Kampf fortzusetzen. Gleichzeitig versuchten die neuen Gegner Saudi-Arabien und Iran, ihren Einfluss auf die Rebellen zu stärken.

In Afghanistan entstand schließlich das Bild des modernen „Gotteskriegers“, des Mudschahedin, der nicht mehr Moskau oder Washington folgte, sondern für ein eigenständiges Lager kämpfte. Das einigende Element aller Kämpfer war die Verteidigung des Islams. Als die USA begannen, Afghanistan im Kampf gegen Moskau zu unterstützen, eskalierte der Konflikt zum Stellvertreterkrieg. (Schon einmal Rambo angesehen?) Insgesamt sollen 3 Milliarden Dollar von den USA nach Afghanistan geflossen sein, die vom pakistanischen Geheimdienst vor allem an islamistische Gruppen verteilt wurden.  

Neben den USA, Saudi-Arabien und dem Iran wurden die Kämpfer auch von China, Pakistan und der Muslimbruderschaft unterstützt. Nach äußerst brutalen Kämpfen zog sich die Rote Armee am 15. Februar 1989 zurück. Nach der Islamischen Revolution im Iran war es der zweite große Sieg der muslimischen Welt gegen eine Großmacht. Einige Afghanistan-Veteranen hofften, die Zeit der Demütigung sei nun endlich vorüber.

Al-Qaida: Die Geburt des globalen Dschihad

Wenige Monate vor dem Abzug der Roten Armee gründeten einige Afghanistan-Veteranen im pakistanischen Peschawar eine neue Organisation zur Rekrutierung und Ausbildung arabischer Kämpfer: Al-Qaida – „militärische Basis“. Gründer war der saudische Milliardärssohn Osama bin Laden, der selbst an kleineren Gefechten im Afghanistankrieg teilgenommen hatte. Auch nach dem Abzug der Roten Armee kämpfte Al-Qaida gegen das kommunistische Regime in Kabul, bis dieses 1992 fiel. Schon 1990 – mit der Stationierung von US-Truppen auf der Arabischen Halbinsel – erklärte Al-Qaida die USA zum neuen Hauptfeind. 

1992 verstärkte sich diese Feindschaft mit dem militärischen Engagement der USA in Somalia, was als Bedrohung für den Sudan angesehen wurde, wo bin Laden Asyl gewährt wurde. 1992 verübte Al-Qaida schließlich Bombenanschläge auf zwei Hotels in Aden, in denen US-Soldaten beim Transfer nach Somalia untergebracht wurden. Daraufhin stoppten die USA den Transfer über Aden. Im Oktober 1993 wurde auch ein US-Militärhubschrauber in Mogadischu abgeschossen, der zum Abzug der US-Truppen im Folgejahr führte. Bin Laden glaubte aufgrund dieser Erfolge, auch die letzte Supermacht mit geringen Verlusten aus der islamischen Welt vertreiben zu können. 

Der erste Terroranschlag auf das World Trade Center im Februar 1993 geschah vermutlich ohne Beteiligung von Al-Qaida. Hingegen plante bin Laden die Anschläge auf die US-Botschaften in Nairobi und Daressalam persönlich. 1996 erklärte bin Laden den USA offiziell den Krieg. 1998 verschärfte Al-Qaida den Ton weiter und erklärte die Tötung von US-amerikanischen Soldaten und Zivilisten zur Pflicht jedes Muslims an jedem Ort. Die Dschihadisten änderten ihre Strategie von einem regionalen Kampf gegen den „nahen Feind“ zum globalen Dschihad gegen den „fernen Feind“, die der spätere bin Laden-Nachfolger Aiman al-Zawahiri (ebenfalls ein Afghanistan-Veteran, der in einem ägyptischen Gefängnis schwer gefoltert wurde) 2001 so zusammenfasste:

„Der Kampf für die Errichtung eines islamischen Staates kann nicht als regionaler Kampf geführt werden: Es wird … deutlich, dass die Allianz der Juden und Kreuzzügler, angeführt von den Vereinigten Staaten, es keiner islamischen Kraft erlauben wird, die Macht in irgendeinem muslimischen Land zu übernehmen. Sie werden alle ihre Ressourcen mobilisieren, um die Dschihad-Bewegung zu schlagen und von der Macht zu verdrängen.“

„Knights under the Prophet’s Banner“ (2001), dt. Übers.: Steinberg 2005

Es folgten weitere Anschläge und schließlich der Höhepunkt mit dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001. Auch wenn die Erwartung von Al-Qaida, nämlich der Abzug von US-Truppen aus der arabischen Welt, nicht eintrat, wurde Al-Qaida zum Vorbild für viele Organisationen und Personen weltweit. Nach den Anschlägen vom 11. September besiegten die US-Amerikaner mit ihren Verbündeten in nur wenigen Monaten die Taliban, welche der Al-Qaida Schutz gewährten. Osama bin Laden selbst wurde am 02. Mai 2011 von einem US-Kommando erschossen.

Zwar wurde damit das Zentrum der Al-Qaida zerstört, doch die Terrororganisation war nicht vernichtet. Vielmehr dezentralisierte und regionalisierte sich die Al-Qaida. Die zwei wichtigsten Organisationen wurden die Al-Qaida im Islamischen Maghreb sowie die Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel.

Der Islamische Staat

Eine weitere, zunächst weniger bedeutende Zweigorganisation von Al-Qaida war die Al-Qaida im Irak. Deren Führer Abū Musʿab az-Zarqāwī wollte ursprünglich des jordanische Königshaus stürzen, bis er 2004 – nach dem völkerrechtswidrigen Angriff der USA auf Saddam Hussain und die anschließende Destabilisierung des Landes – als Al-Qaida im Irak gegen die USA und ihre Verbündeten kämpfte. Die Organisation war von Anfang an für ihr äußerst brutales Vorgehen gegen Schiiten bekannt, das selbst vom Kern der Al-Qaida kritisiert wurde.

Al-Qaida im Irak rief 2006 den Islamischen Staat im Irak (ISI) aus, erlebte ihren Aufschwung aber erst, als sie 2012 zur Unterstützung der Opposition im syrischen Bürgerkrieg aufrief. Die Organisation nannte sich fortan Islamischer Staat im Irak und Syrien und brach 2014 mit der Al-Qaida. Im gleichen Jahr schließlich erhob ISIS den globalen Führungsanspruch: Sie nannte sich nur noch Islamischer Staat und ihr Anführer Abu Bakr al-Baghdadi – Nachfahre von Mohammed und Doktor der islamischen Theologie – bezeichnete sich nunmehr als Kalif.

Al-Baghdadi leitet die Terrororganisation schon seit 2010. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass auch er sich im Gefängnis radikalisierte. Im US-Kriegsgefangenengefängnis Camp Bucca waren Islamisten gemeinsam mit Saddam-Gefährten, Generälen und Geheimdienstlern untergebracht, wo sich der spätere Kern des IS zusammenfand. Von 25 Führungspersonen des IS waren 17 im Camp Bucca unterbracht.

Aufgrund der äußersten Brutalität des IS und der zeitweise territorialen Erfolge schlossen sich mehr als 30.000 Islamisten aus aller Welt dem Islamischen Staat an. Erstmals gelang es einer dschihadistischen Gruppe, über ein großes Territorium zu herrschen. Zu den Gräueltaten des IS zählen Kreuzigungen, Ertränken, Verbrennen bei lebendigem Leib, Sklaverei und vieles mehr. Als der IS westliche Geiseln medienwirksam enthauptete, begannen die USA und ihre Verbündeten im August 2014 einen Kampf gegen den IS. Am 23. März 2019 vertrieben kurdische Kämpfer den IS aus dem letzten Dorf, über das er noch die Kontrolle hatte.

Doch damit ist weder der islamistische Terror, noch der IS vernichtet. Die militärisch erfahrene Führungsriege um al-Baghdadi hatte sich schon zwei Jahre zuvor auf die von Anfang an wahrscheinliche Niederlage vorbereitet. Sie arbeiteten an einem globalen Terrornetzwerk nach dem Vorbild der Al-Qaida, das sich künftig hauptsächlich gegen Christen richten soll. (Zu diesem Netzwerk gehört inzwischen auch Boko Haram.) Die Terroranschläge in Sri Lanka und Burkina Faso waren wohl leider nur die ersten dieser Art. Der IS hatte in Sri Lanka zwei islamistische Gruppen unterstützt, die bis dahin nur wegen Vandalismus gegen Buddha-Statuen aufgefallen waren.

Strategie des islamistischen Terrorismus

An Sri Lanka zeigt sich auch die neue Strategie des Dschihadismus. Während der Dschihadismus der Al-Qaida das Ziel verfolgte, den Westen aus den arabischen Ländern zu vertreiben, um danach die arabischen Regierungen stürzen zu können, ist das Ziel des Islamischen Staates, Hass und Gewalt gegen Muslime im Westen zu schüren. Die Anschläge in Sri Lanka waren weniger ein Signal an Sri Lanka, als an den Westen. Denn das Ziel des Anschlags war nicht die buddhistische Mehrheit des Landes, sondern die christliche Minderheit an einem der höchsten Feiertage in Europa und den USA. Auch im Bekennerschreiben waren die Christen in Sri Lanka erst an zweiter Stelle genannt, nach den Bürgern des Westens.

Durch das Erzeugen von Hass auf Muslime erhofft sich der IS, die „Teilung der Welt voranzutreiben und die Grauzonen vollkommen zu zerstören“. Ziel sind zwei sich feindlich gegenüberstehende Seiten, die alle „Grauzonen“ des friedlichen Koexistenz zwischen der islamischen und der westlichen Welt beseitigen. Muslime würden dadurch radikalisiert, müssten sich für eine Seite entscheiden und würden sich dann leicht für den Islamischen Staat mobilisieren lassen. Ganz in diesem Sinne führte etwa der IS-Anführer Al-Bagdhadi selbst aus, dass der Westen nicht gegen Terroristen, sondern gegen jeden Muslimen kämpfe:

„Die Kreuzfahrer behaupten, sie wären nicht gegen die muslimische Öffentlichkeit als solches, sondern gehen nur gegen diejenigen vor, die bewaffnet seien. Aber Ihr werdet bald sehen, dass sie gegen alle Muslime vorgehen. Und wenn die Kreuzfahrer in den Ländern des Kreuzes die Muslime überwachen, verhaften und verhören, werden sie bald beginnen sie zu deportieren, sie werden tot sein, gefangen oder ohne Heimat. Sie werden niemanden in Ruhe lassen, außer jene Muslime, die von ihrer Religion abtrünnig geworden sind und die ihrer folgen.“

– Al-Baghdadi

Neben dem IS könnte aber auch der alte Konkurrent Al-Qaida wieder stärker aktiv werden. Während Al-Qaida das Ende des IS geduldig abwartete, inszenierte sich die Terrororganisation als „gemäßigte“ Kraft. Die Terrororganisation hat bereits ihre Polemik gegen den Westen verstärkt. Letztlich, so die Expertin für Al-Qaida, Elisabeth Kendall, hat die Einteilung in IS oder Al-Qaida für die „Gotteskrieger“ nur wenig Bedeutung:

„Im Lauf der vergangenen Dekade ist [die dschihadistische Community] sicher größer geworden. Labels wie IS oder Al-Kaida sind heute weniger wichtig. Diese Menschen sehen sich als Mudschahedin. Welchem Club sie angehören, ist nicht zentral. Es sind wir im Westen, die auf diese Schubladen fixiert sind.“

Absolute Leseempfehlung mit einem sehr spannenden und lebendig geschriebenem Artikel über das Jahr 1979: Michael Schaper (Hg.): Geo Epoche 73/2015: Islam.*