fakenews

Journalismus wie im Wilden Westen

Heute wurde uns der Zustand des österreichischen Journalismus wieder einmal eindrücklich vor Augen geführt. Aber erklärt sich die verzerrte Darstellung aus reiner Böswilligkeit? Warum übernehmen selbst „neutrale“ Journalisten die Antifa-Darstellungen?

In den letzten Jahren, vor allem mit dem Internet und den Sozialen Medien, kam es zu einer grundlegenden Wandlung des österreichischen Journalismus.

Zeitdruck

Zwar war auch Radio und Fernsehen von Aktualität bestimmt, doch die Sozialen Medien haben noch einmal kräftig etwas draufgelegt. Denn in den Sozialen Medien erzielen nur diejenigen Meldungen gute Ergebnisse, die rasch veröffentlicht werden. Niemand teilt eine Meldung zweimal – das heißt, dass Journalisten versuchen müssen, ihren Artikel zum ersten zu machen, den die Leute lesen. Das versetzt Journalisten in einen „Daueralarm“. Die Folge: Artikel befinden sich im permanenten Beta-Stadium zugunsten größtmöglicher Aktualität.

Oder wie es im Journalismus-Handbuch von Stephan Ruß-Mohl heißt:

Die Journalisten haben weniger Zeit für gründliche Materialaufbereitung und -analyse. Stattdessen wird stets eine neue „Sau“ durchs globale Dorf gejagt, und das im „24/7″-Zyklus“, also 23 Stunden täglich und sieben Tage pro Woche.

Wird ein Thema auf einer anderen Nachrichtenseite gefunden, zählen Minuten bis das Thema auch auf der eigenen Seite angeboten werden muss. Für Recherche bleibt keine Zeit – wird schon stimmen. Das Gros der Artikel verkommt zu einer bloßen Abschreibübung.

Das ermöglicht auch neue Manipulationsmöglichkeiten: werden im ersten Artikel zum Thema Falschnachrichten gestreut, ziehen sich diese durch sämtliche Medien. Für einzelne Journalisten war es deshalb noch nie so leicht wie heute, die komplette Medienlandschaft zu manipulieren.

In Bezug auf die Identitäre Bewegung sticht ganz besonders in Auge, dass die, die zuerst berichten, fast ausschließlich unsere Gegner sind. Ja, Gegner: denn sie sind keine neutralen Berichterstatter, sondern Teil des Establishments. Dazu aber in Kürze mehr.

Nachrichtenwerte

Um in den Sozialen Medien bestehen zu können, ist aber nicht nur der Zeitfaktor wichtig, sondern auch die sogenannten „Nachrichtenwerte“. Sex, Gewalt, Überraschung, Schaden, Prominenz & Co – wer gelesen werden will, muss vor allem mit spannenden Schlagzeilen punkten. Die Regel gilt: je mehr davon, desto besser.

Umso wichtiger ist das in den Sozialen Netzwerken, wo die Menschen mit einer Informationsflug zu kämpfen haben, die feine Facetten verschwinden lässt. Schlagzeilen werden bis ins Letzte ausgereizt. Bewusst versuchen viele Medien sogar ein falsches, noch provokanteres Bild vom Artikelinhalt zu vermitteln, um noch ein paar Klicks zusätzlich zu gewinnen.

Wild West in Wien

Es ist also nicht reine Böswilligkeit, wenn Artikel wie „Identitären-Chef schoss in U-Bahn-Station um sich“ in der Krone Onlineausgabe landen. Im ersten Moment denkt der Leser an den Wilden Westen oder einen Terroranschlag. Selbst denjenigen die den Artikel nicht lesen (Was: Schießerei in Wien und du weißt von nichts??), wird unbewusst mit der Assoziation Identitäre und Schießerei angesteckt.

Doch das ist den Journalisten und allen voran den Herausgebern egal: es geht um Klicks und die resultierenden Werbeeinnahmen. Die Logik des Kapitals.