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Thomas Hobbes und die Mechanisierung der Gesellschaft

Geboren wurde der englische Staatstheoretiker, Mathematiker und Philosoph Thomas Hobbes am 5. April 1588 als Sohn eines Pfarrers in Wiltshire. Es gibt nur wenig biographisches Material zum Leben des bedeutenden Denkers, der immerhin über 90 Jahre alt wurde und erst am 4. Dezember 1679 in Derbyshire starb.

Zur Person

Man könnte sich seinem Denken auch ohne vorhergehenden Blick auf sein Leben zuwenden, doch ist gerade bei ihm ein biographischer Blick aufschlussreich für das Verständnis seines Denkens. Das beginnt bereits mit der Feststellung, dass er im Zuge seiner drei Europareisen die führenden Gelehrten seiner Zeit kennengelernt hat: Marin Mersenne, Pierre Gassendi, René Descartes, Galileo Galilei. Mit Fancis Bacon und Willian Harvey hatte er in England sogar engen Kontakt.[1]

Gearbeitet hat Thomas Hobbes als Hauslehrer und Hofmeister. Zehn Jahre lang befand er sich im Exil, wo er sich zumeist in Paris aufgehalten hat und am Exilhof der Gemahlin von Karl I. (Maria Henrietta von Frankreich, einer Schwester Ludwigs XIII.) dem Thronfolger König Karl II. Unterricht in Mathematik gab. Hobbes befand sich also seit dem Ende seines Studiums im Umkreis des Adels und der politischen Macht. Umso erstaunlicher, dass weder adlige Ideale und Gedankenentwürfe eine Rolle bei Hobbes Werk spielten, noch Hobbes je einen Einfluss auf die Politik ausübte (auch Karl II. gab er nur Unterricht in Mathematik!). Im Alter zog sich Thomas Hobbes immer mehr auf das Land zurück und widmete sich ganz der Wissenschaft und Philosophie.

Zeit seines Lebens war der bestimmende Grundantrieb bei Thomas Hobbes die Furcht vor dem Tod. Das ist keine Fremdzuschreibung, sondern er selbst schrieb, dass seine Mutter bei der Geburt eine derartige Angst vor der spanischen Armada hatte, dass sie Zwillinge auf die Welt brachte: ihn und die Furcht. Er gehörte zu den Ersten, die noch vor dem offiziellen Ausbruch des englischen Bürgerkrieges aus Furcht davor, gefangen genommen und angeklagt zu werden, England verließen.[2]

Seine Erfahrung mit dem englischen Bürgerkrieg war es, die ihn zur Abkehr von der klassischen Philosophie bewog. Es ging ihm darum, wie man Frieden schaffen könne. In De Civeschrieb er:

Die Geometer haben nun ihr Gebiet vortrefflich verwaltet; denn alles, was dem menschlichen Leben an Nutzen zufällt, sei es aus der Beobachtung der Gestirne oder der Beschreibung der Länder oder der Einteilung der Zeit oder weiten Seereisen, ebenso alles Schöne an den Gebäuden, alles Feste an den Schutzwehren, alles Wunderbare an den Maschinen, alles endlich, was die heutige Zeit von der Barbarei vergangener Jahrhunderte unterscheidet, ist beinahe nur der Geometrie zu verdanken; […]. Wenn die Moralphilosophen ihre Aufgabe mit dem gleichen Geschick gelöst hätten, so wüsste ich nicht, was der menschliche Fleiß darüber hinaus noch zum Glück der Menschen in diesem Leben beitragen könnte. Denn wenn die Verhältnisse der menschlichen Handlungen mit der gleichen Gewissheit erkannt worden wären, wie es mit den Größenverhältnissen der Figuren geschehen ist, so würden Ehrgeiz und Habgier gefahrlos werden, da ihre Macht sich nur auf die falschen Ansichten der Menge über Recht und Unrecht stützt, und das Menschengeschlecht würde eines beständigen Friedens genießen, so daß man wohl nie mehr (ausgenommen um den Raum bei der wachsenden Menge der Menschen) zu kämpfen brauchte.[3]

Szientismus und Mechanisierung des Weltbildes

Hobbes machte es sich zur Aufgabe, die Moral (die Philosophie, „die das natürlich Recht behandelt“[4]) mit dem „Geschick der Geometer“ auszustatten, um einen beständigen Frieden unter den Menschen herzustellen (Moral als „Friedenswissenschaft“). Die Geometer nahm Hobbes deshalb ins Visier, weil er die euklidische Geometrie als bislang einziges zufriedenstellendes Beispiel für ein vernünftiges methodisches Denken ansah.

Vernünftiges Denken war für ihn ein Rechnen mit Begriffen. Das erfordere nur ein Verständnis der Regeln eines formalen Systems und das Verständnis der Bedeutung von Wörtern innerhalb des Systems einer Sprache. Die Frage nach dem Wirklichkeitsbezug der Sprache stellte er hintenan. In einer berühmten Passage des Leviathans führte er aus:

„Wörter sind die Rechensteinchen der Klugen, mit denen sie nur rechnen. Sie sind aber das Geld der Narren.“ [5]

Deshalb: nur die Narren glauben, Wörtern käme auch ein realer Wert zu.[6] Nicht nur Hobbes war von den Leistungen der Naturwissenschaften beeindruckt, die im 16. Jahrhundert eine Revolution durchmachten.

Es erschien eine Reihe von bahnbrechenden Werken im Bereich der Physik und Kosmologie, die von einem veränderten Bewusstsein begleitet wurden. Die Namen Nikolaus Kopernikus, Galileo Galilei und Johannes Kepler sind nur Beispiele für Denker, die einen tiefen Eindruck auf die Menschen hinterlassen haben. Aber auch René Descartes, mit dem sich Hobbes ausführlich beschäftigte und sogar Einwände gegen seine Mediationes schrieb, war nicht nur Philosoph, sondern auch Naturwissenschaftler. Zeitweise führte die Auseinandersetzung zwischen den beiden Denkern zu einer regelrechten Verstimmung.

Die Naturwissenschaften und ihre Methoden strahlten im Zuge dieser wissenschaftlichen Revolution auch auf andere Bereiche aus. Das spiegelte sich auch im Lebenslauf von Thomas Hobbes wieder: Auch er begann mit der Arbeit an seinen philosophischen Studien erst gegen Ende der dreißiger Jahre, als er sich mit den erkenntnistheoretischen Problemen der modernen Naturwissenschaften beschäftigte. Er hoffte, den Skeptizismus mittels einer an den Ideen Galileo Galileis orientierten Philosophie überwinden zu können.[7] Nicht nur Hobbes war im Banne solcher Ideen, sondern das ganze 17. Jahrhundert wurde zum „Jahrhundert der philosophischen Einheitsmethode“:

„Es steht ganz im Bann der Idee, die den Sätzen der mathematischen Wissenschaften eignende Gewissheit durch Anwendung der vom mathematischen Gegenstand zu lösenden Begründungs- und Demonstrationsweise mathematischer Erkenntnis auf andere Gebiete menschlicher Wissensbemühungen auszudehnen.“[8]

Ein solcher „Methodentransfer“ war in der aristotelischen-scholastischen Tradition aus zwei Gründen nicht vorstellbar:

Eingeschränkter Bereich des mathematischen Erkenntnisverfahrens

Das mathematische Erkenntnis- und Beweisverfahren war auf den Bereich des Nichtmateriellen eingeschränkt. Natürliche Bewegungen und Ereignisfolgen galten als nicht quantifizierbar und wurden als teleologisch strukturiert gedacht. Sie galten als nur qualitativ zu bewertende Seinsveränderungen.[9] Diese Vorstellungen wurden durch den Aufstieg der neuzeitlichen Naturwissenschaften komplett umgestürzt.

Es kam nämlich zu einer Mechanisierung des Weltbildes. Diese wurzelt mit den sogenannten „Uhrenvergleichen“ bereits im Mittelalter, brach aber erst mit der Neuzeit durch. Bei Kepler findet sich 1605 eine Briefstelle:

„Mein Ziel ist es zu zeigen, dass die himmlische Maschine nicht eine Art göttliches Lebewesen ist, sondern gleichsam ein Uhrwerk, insoferne nahezu alle mannigfaltigen Bewegungen von einer einzigen, ganz einfachen, magnetischen Kraft besorgt werden, wie bei einem Uhrwerk alle Bewegungen von dem einen Gewicht ausgehen.“[10]

Das mechanistische Weltbild beruhte hauptsächlich auf der Cartesianischen Philosophie und der Newtonschen Physik. René Descartes übertrug den Maschinengedanken auf den Menschen und auch Thomas Hobbes übernahm schließlich die mechanistische Erklärung der Leidenschaften und der Wahrnehmung von Descartes. Dieses Weltbild löste im 17. Jahrhundert erfolgreich die durch Gott erklärte Weltordnung ab und wurde zur prägenden Wirklichkeitsvorstellung der Neuzeit.

Bei René Descartes fand sich auch erstmals der wichtige (noch religiös aufgeladene) Begriff der Naturgesetze. Diese wurden als „gottgegeben“ angesehen und behandelten Relationen zwischen den Dingen. Diese Relationen ließen sich mathematisch ausdrücken und lösten in der Folge eine Mathematisierung der Wissenschaften aus: Die Physik beschäftigte sich mit den Stoßgesetzen der „Korpuskeln“ (angenommenen kleinsten Masseteilchen). Damit war der Weg frei für eine Übernahme mathematischer Erkenntnis- und Beweisverfahren bei natürlichen Dingen. Im letzten Schritt wurde alles aus Korpuskeln bestehend betrachtet, und damit auch die aristotelische Unterscheidung zwischen Naturdingen und Artefakten einebnete. Das mechanistische Weltbild setzte sich durch.

Gegenstandsrelativer Exaktheitsgrad der Erkenntnis

Auch die aristotelische These vom gegenstandsrelativen Klarheits- und Exaktheitsgrad der Erkenntnis (vgl. Nikomachische Ethik) sperrte sich gegen einen methodologischen Monismus. Es war das Werk von Thomas Hobbes, das diese Position zerstörte, indem es die „mos geometricus“ (die analytische oder resolutiv-kompositive Methode) erfolgreich in die Ethik und politische Philosophie einführte. Damit machte Hobbes die praktische Philosophie zu einer Wissenschaft und vertrieb den Aristotelismus auch aus der Ethik und Politik.[11]

Die große Bedeutung dieses Methodentransfers als Umbruch in der politischen Philosophie war auch Thomas Hobbes selbst bewusst. Es prägte sein Selbstverständnis so tief, dass er beanspruchte, die politische Philosophie als solche erst begründet zu haben. Im Vorwort zu De Corpore schrieb er:

„[…] jedoch ist die politische Philosophie dieses in einem weitaus größerem Maße [eine neue Sache; Anm.]; so ist sie nicht älter als das Buch, das ich unter dem Titel De Cive selbst geschrieben habe“[12]

Die Methode von Resolution und Komposition galt nicht zuletzt wegen ihrer praktischen Nützlichkeit für Thomas Hobbes als erstrebenswert. Immerhin hatte sie schon Galileo Galilei erfolgreich in der Physik angewandt. Konkreter lag die Attraktivität der resolutiv-kompositiven Methode in ihrem inventiven und konstruktiven Potential. Sie führte in der Resolution komplexe Vorstellungen und Begriffe auf einfache Teile oder naturgesetzliche Prinzipien zurück und entwickelte im Verfahren der Komposition aus diesen einfachen Teilen und Prinzipien wiederum komplexe Vorstellungen, Modelle und Begriffe.

Damit unterschied sich die Methode sowohl von einer rein deduktiven Vorgehensweise (immer nur von wahr angenommenen Prämissen zu Aussagen von geringerem Allgemeinheitsanspruch) und von Francis Bacons Verfahren einer sukzessiven Generalisierung von Beobachtungs-ergebnissen.[13]

Hobbes wandte diese Methode immer wieder an: Beispielsweise bei der Reduzierung komplexer Motive auf pure Interessen. Dadurch wurden hinter idealen Ansprüchen überaus egoistische Beweggründe sichtbar gemacht. Während etwa im Menschenbild von Aristoteles aus einer teleologischen Sicht das einzelne Element und der Gesamtzusammenhang durchgängig miteinander verbunden waren, geht Hobbes von losgelösten Nutzenmaximierern aus, aus denen der gesellschaftliche Zusammenhang nicht immer schon gegeben, sondern durch den Zusammentritt der Einzelnen durchaus unter Verfolgung egoistischer Interessen erst hergestellt werden muss.[14]

Folgen

Aus dem veränderten Bewusstsein über die Welt und den Menschen traten mit Thomas Hobbes vollkommen neue Vorstellungen hervor, die den weiteren Fortgang der politischen Philosophie maßgeblich beeinflussten.

Artifizieller Charakter des Staates

Zentral war das veränderte Verständnis des Staates. Von Aristoteles ausgehend galt der Mensch bis zu Thomas Hobbes als ein Wesen, das einen Staat immer schon voraussetzt. Aus dem „zoon politicon“ folgte, dass der Staat natürlich und prioritär sei:

„Auch von Natur ursprünglicher ist der Staat als Haus und ­­ jeder Einzelne von uns. Denn das Ganze ist notwendig ursprünglicher als der Teil, weil ja, wenn der ganze Leib dahin ist, auch nicht mehr Fuß noch Hand existiert, außer dem Namen nach, gerade wie man auch seine steinerne Hand noch eine Hand nennt. […] Daß also der Staat von Natur aus besteht und natürlicher ist als der Einzelne, ist klar.[15]

Diese Vorstellung änderte sich mit Thomas Hobbes, bei dem der Staat nun einen artifiziellen Charakter erhielt. Damit wurde auch der Weg für die vollkommen neuartige Frage nach der Legitimation politischer Herrschaft frei.

Denn wenn der Staat etwas Notwendiges und Prioritäres ist, bedarf er keiner ernsthaften Begründung. Ist der Staat aber etwas künstlich Geschaffenes, wird eine Alternative sichtbar: Staat oder kein Staat, politische Herrschaft oder eben nicht. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte der Staat nur in Bezug auf Staatsformen untersucht werden. Hobbes war der Erste, der die grundlegendere Frage nach der Legitimation von Staaten stellte.

Der artifizielle Charakter des Staates bedeutete für Hobbes auch, dass man den Staat wie jedes andere Artefakt untersuchen müsse:

„Denn aus den Elementen, aus denen eine Sache sich bildet, wird sie auch am besten erkannt. Schon bei einer Uhr, die sich selbst bewegt, und bei jeder etwas verwickelten Maschine kann man die Wirksamkeit der einzelnen Teile und Räder nicht verstehen, wenn sie nicht auseinandergenommen werden und die Materie, die Gestalt und die Bewegung jedes Teiles für sich betrachtet wird.“[16]

Thomas Hobbes legte diesen Gedanken des „Uhrwerks“ oder der „Maschine“, vom Kosmos (Kepler) und vom Individuum (Descartes) erstmals auf den Staat bzw. die Gesellschaft um.

Mechanisierung des Staatswesens

Die Mechanisierung des Weltbildes war verbunden mit einer Auflösung der sinn- und werthaften Ordnung der Natur, die mit der Ablösung einer Finalkausalität durch eine Effizienzkausalität einhergeht. Die Erklärung der Welt verlagerte sich auf die einzelnen aufeinander einwirkenden Körper, deren Bewegung durch das Prinzip von actio und reactio erklärt wurde.

Ganz im Sinne dieses mechanistischen Weltbildes zerlegte auch Hobbes die Gesellschaft gedanklich in „Einzelteile“ und untersuchte deren Wirkungsgesetze. Diese Einzelteile sind die menschlichen Körper und ihre biologischen Eigenschaften. Darunter fielen auch psychologische Eigenschaften, insbesondere die Leidenschaften und Werteinstellungen, die er als Bewegungsmomente des menschlichen Körpers verstand.

Statt einer „natürlichen Erklärung“ der menschlichen Zusammenschlüsse oder einer Orientierung an einer „natürlichen Weltordnung“ setzte Hobbes eine „künstlerische Leistung“: den Vertrag. Dieser dient zum allseitigen Verzicht auf bloße individuelle Interessenverfolgung – zum Eintritt in eine geregelte und überwachte Kooperationsbeziehung.[17] Nur der Vertragsbegünstigte selbst tritt dem Vertrag nicht bei und wird damit zum neuen Herrscher.

Das Gebot „Man muss den Naturzustand verlassen“ ergab sich für Hobbes nicht aus einer moralischen Norm, sondern daraus, dass jeder rationale Akteur aus der Staatserrichtung einen massiven Vorteil zieht. Die Unterwerfung unter einen mächtigen, zwangsbefugten Regenten legitimierte zwar de facto einen monarchischen Absolutismus, doch ging es Hobbes in erster Linie nur um den Nachweis, dass jede Form zwangsförmiger Kooperation besser als der Naturzustand ist (der Staat wird auch als bedrohliches Ungeheuer, als Leviathan, bezeichnet). Im Naturzustand herrschen nämlich Lebensbedingungen, die zu einem notwendigen Kriegszustand führen: relative Güterknappheit, uneingeschränktes Aneignungsrecht, zwischenmenschliches Desinteresse, strategische Rationalismus und eine gewisse Bedrohungssymetrie.

Die Furcht vor einem gewaltsamen Tod ist dabei ein wesentlicher Faktor der Argumentation. Leo Strauss bezeichnete „Die Bewegung vom Prinzip der Ehre zum Prinzip der Furcht vor gewaltsamen Tod“ als eines von fünf Charakteristika der Genesis von Hobbes’ politischer Wissenschaft.[18] Hobbes schrieb im Vorwort zu De Cive:

„Ich sah nun, dass aus dem gemeinsamen Besitz der Dinge der Krieg und damit alle Arten von Elend für die Menschen, die sich um deren Gebrauch mit Gewalt stritten, notwendig hervorgehen müsse; ein Zustand, den alle von Natur verabscheuen. So gelangte ich zu den zwei sichersten Forderungen der menschlichen Natur: die eine ist die Forderung der natürlichen Begierde, vermöge deren jeder den Gebrauch der gemeinsamen Dinge für sich allein verlangt; die andere ist die Forderung der natürlichen Vernunft, vermöge deren jeder dem gewaltsamen Tode als dem höchsten Übel der Natur auszuweichen sucht.“[19]

Hobbes setzte dabei konsequent nicht voraus, dass alle Menschen böse sind. Stattdessen sei schon die Furcht der Menschen voreinander ausreichend:

„Indes folgt aus diesem Grundsatze nicht, dass die Menschen von Natur böse sind. Denn wenn es auch weniger böse als gute Menschen gäbe, so kann man doch die Guten von den Bösen nicht unterscheiden, und deshalb müssen auch die Guten und Bescheidenen fortwährend Misstrauen hegen, sich vorsehen, anderen zuvorkommen, sie unterjochen und auf alle Weise sich verteidigen.“[20]

Heute würde man das Gedankenexperiment besser mit dem berühmten Gefangenendilemma erklären und damit noch einen Schritt weiter hin zu reinen Nutzenüberlegungen machen.[21] Mit dem Naturzustand hat Hobbes eine im Sinne der resolutiv-kompositiven Methode nicht weiter hintergehbare Ausgangslage für die Rekonstruktion des gedanklich aufgelösten Staates geschaffen. Kant bezeichnete den Naturzustand als „Ideal des Hobbes“ und brachte damit zum Ausdruck, dass mit dem Naturzustand keinesfalls eine historisch identifizierbare Entwicklungsstufe der Menschheitsgeschichte gemeint ist, sondern ein Gedankenexperiment mit der argumentativen Funktion, die Staatserrichtung zu begründen.[22]

 

[1] MÜNKLER Herfried: Thomas Hobbes. Frankfurt am Main 2001, S. 24.

[2] MÜNKLER Herfried: Thomas Hobbes. S. 25-27.

[3] HOBBES Thomas: Vom Menschen. Vom Bürger. S. 60-61.

[4] HOBBES Thomas: Vom Menschen. Vom Bürger. S. 60.

[5] TUCK Richard: Hobbes. S. 71-72.

[6] TUCK Richard: Hobbes. S. 72.

[7] TUCK Richard: Hobbes. S. 68.

[8] KERSTING Wolfgang: Thomas Hobbes zur Einführung. Hamburg 2002, S. 42.

[9] KERSTING Wolfgang: Thomas Hobbes zur Einführung. S. 42-43.

[10] TAUTSCHER Anton: Wirtschaftsgeschichte Österreichs. Berlin 1974, S. 284.

[11] KERSTING Wolfgang: Thomas Hobbes zur Einführung. S. 42-43.

[12] KERSTING Wolfgang: Thomas Hobbes zur Einführung. S. 44.

[13] MAIER Hans / Horst DENZER (Hrsg.): Klassiker des politischen Denkens 1. Von Plato bis Hobbes. München 2007, S. 212.

[14] MÜNKLER Herfried: Thomas Hobbes. Frankfurt am Main 2001, S. 69.

[15] Aristoteles, Pol I, 2, 1253a 18-25.

[16] HOBBES Thomas: Vom Menschen. Vom Bürger. S. 67.

[17] HORN Christoph: Einführung in die politische Philosophie. Darmstadt 2012, S. 28.

[18] STRAUSS Leo: Hobbes’ politische Wissenschaft. Neuwied am Rhein – Berlin 1965, S. 126.

[19] HOBBES Thomas: Vom Menschen. Vom Bürger. S. 60.

[20] HOBBES Thomas: Vom Menschen. Vom Bürger. S. 69.

[21] HORN Christoph: Einführung in die politische Philosophie. S. 29.

[22] KERSTING Wolfgang: Thomas Hobbes zur Einführung. S. 62.